Die Mutmacher-Agentur

Doris Walk und Manuela Halbeck helfen jungen Leuten, Probleme zu überwinden und einen Job zu finden.
Vanessa hat einen Traum: Sie möchte Erzieherin werden und Kindern Freude bereiten. Ihr eigenes Leben hatte der jungen Frau hingegen bislang kaum Schönes zu bieten. Borderline-Syndrom, Essstörung, Depressionen – Vanessa Ehring musste schon viel durchmachen. Therapien halfen ihr nicht, die Schule brach sie ab. Statt mittlerer Reife machte Vanessa Schulden.

Heute, mit 21 Jahren, hat sie eigentlich nichts, was ihr eine bessere Zukunft verheißen würde. Wäre da nicht ihr Wille, ihr Leben zu ändern. Und Manuela Halbeck. Sie hilft Vanessa, damit ihr der ersehnte Neustart glückt und sich ihr Traum vielleicht doch noch erfüllt. Manuela Halbeck ist Sozialpädagogin bei der Jugendberufsagentur im Landkreis Rostock. Die hat es sich zur Aufgabe gemacht, jungen Leuten mit problematischen Biografien beim Einstieg ins Berufsleben zu unterstützen. Hauptsächlich sind es Schulabbrecher, die dieses Angebot nutzen. Aber auch Vorbestrafte und Ex-Junkies gehören zum Klientel von Manuela Halbeck und ihrer Kollegin Doris Walk. Die beiden Frauen kümmern sich in Güstrow um jene, denen es bislang nicht gelungen ist, auf eigenen Beinen zu stehen. Auch in Rostock, Bützow und Teterow ist die Jugendberufsagentur mit Pädagogen vertreten. Ihr Motto: Hilfe zur Selbsthilfe. Die Jugendlichenkommen auf ganz unterschiedlichen Wegen zur Agentur. Die einen haben durch Freunde davon erfahren, andere schickt das Jobcenter oder das Jugendgericht. Alle aber eint: Sie sind freiwillig hier und gehen wieder, wenn sie möchten. „Zwang bringt gar nichts“, erklärt Doris Walk. Genau diese Einstellung hat Vanessa Ehring überzeugt. „Beim Arbeitsamt ist mir immer irgendwas aufgedrückt worden. Hier läuft das ganz anders“, schildert sie. Manuela Halbeck hat Geduld. Stück für Stück geht sie gemeinsam mit Vanessa die Probleme der 21-Jährigen an.

„Wir helfen den Jugendlichen dabei, den Rucksack, den sie mit sich schleppen, auszupacken, und Steine aus dem Weg zu räumen“, sagt Halbeck. Das gelinge eben nicht auf die Schnelle, wenn der Ballast schwer wiegt oder die Hürden hoch sind. Deshalb nehmen sie und ihre Kollegin sich Zeit für jeden Einzelnen. „Wir holen jeden an dem Punkt ab, wo er gerade steht“, verdeutlicht Doris Walk.

Etwa 20 Jugendliche betreut jede der Frauen. Seelentröster, Bewerbungscoach, Familienhelfer und Mutmacher – für ihre Schützlinge schlüpfen Manuela Halbeck und Doris Walk in viele Rollen. Sie begleiten sie zu Ämtern und Behörden, vermitteln, wenn es dort Ärger gibt. „Diese Arbeit erfordert viel Einfühlungsvermögen und die richtige Mischung aus Nähe und Distanz“, weiß Gabriele Hein vom Jugendamt des Kreises. Ein Kraftakt, der nicht jedem Profi glückt: 2014 wurde die Jugendberufsagentur gegründet. Von der Ursprungsmannschaft ist heute allerdings keiner mehr übrig. Manuela Halbeck und Doris Walk sind seit zwei Jahren dabei und damit die Dienstältesten. Ihren Job gehen sie mit viel Herzblut an. „Es macht uns Spaß und die Jugendlichen frischen unsere Arbeit auf“, erklärt Manuela Halbeck. Und doch wird ihr Einsatz nicht immer belohnt: 19 Prozent der Jugendlichen brechen die Zusammenarbeit mit der Jugendberufsagentur vorzeitig ab. Umso mehr motivieren E-folgsgeschichten wie die von Matthias Heger. Der 23-Jährige hat im Gegensatz zu vielen anderen zwar eine Ausbildung abgeschlossen. Doch nachdem es in seinem letzten Betrieb Streit mit dem Chef gab, stand der gelernte Kfz-Mechaniker plötzlich ohne Job da. Und ohne Antrieb, daran etwas zu ändern. Das Jobcenter empfahl ihm, sich an Doris Walk zu wenden. „Er brauchte nur einen kleinen Stubs in die richtige Richtung“, sagt sie. Den gab sie ihm, schrieb mit Matthias Bewerbungen, half ihm, eine Wohnung zu finden und einen Praktikumsplatz. Letzteren bot ihm die MotorenInstandsetzungsfirma Lemcke & Strübing MET in Güstrow. Zwei Monate später hatte Matthias eine Festanstellung in der Tasche. Sein nächstes Ziel hat er sich schon gesteckt: „Bis zum Sommer will ich meinen Führerschein schaffen.“
Ehrgeizige Pläne hat auch Luis Denz: Der 26-Jährige möchte im Juli die Berufsreife-Prüfung ablegen und dann eine Ausbildung zum Altenpfleger beginnen. Er will es nicht nur für sich, sondern auch seiner vierjährigen Tochter zu Liebe schaffen. Doris Walk begleitet Luis auf diesem Weg, glaubt an seinen Erfolg. Anlass, zuversichtlich zu sein und darauf zu hoffen, dass sich ihr Traum, Erzieherin zu werden, erfüllt, hat auch Vanessa. „Der erste Schritt ist der immer der schwerste“, sagt ihre Betreuerin Manuela Halbeck. Vanessa hat ihn gewagt: Sie stellt sich ihren Problemen.

Ostseezeitung, Antje Bernstein

Jugendberufsagentur

Die Jugendberufsagentur im Landkreis Rostock ist ein kreisweites, rechtskreisübergreifendes Angebot der Jugendsozialarbeit/Jugendberufshilfe. Inhaltlich und finanziell wird die Jugendberufsagentur durch den Landkreis Rostock und das Jobcenter des Landkreises Rostock qualitätssichernd gesteuert.
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